Ehren-Obermöhn Erna Neubauer

Erna Neubauer war Präsidentin des Alten Beueler Damenkomitee und Obermöhn von 1973 - 1998. 1998 übergab sie ihr Amt an ihre Nachfolgerin Evi Zwiebler.

Erna Neubauer wurde 1973 ins kalte Wasser geworfen, da die damalige Präsidentin , Maria Balzer, ganz plötzlich aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt abgeben musste. Erna Neubauer war damals 43 Jahre jung, hatte fünf Kinder, die noch Hause wohnten und versorgt werden mussten, und einen verständnisvollen Ehemann, der ihr während ihrer 25-jährigen Präsidentschaft half, dieses zeitraubende Ehrenamt mit Bravour auszufüllen. Während ihrer Obermöhn-Zeit entwickelt sich die Beueler Weiberfastnacht zu einem noch größeren Volksfest und die Rathauserstürmung war ein Schauspiel, dass viele tausende Besucher nach Beuel anlockte.

Auch die Proklamation der Wäscherprinzessin wurde zu einem besonderen gesellschaftlichen Ereignis ausgebaut. In der Sporthalle an der Ringstraße und später im großen Saal des Beueler Brückenforums findet die Proklamation im Rahmen einer Karnevalssitzung statt. Die Programmbeiträge werden nach wie vor ausschließlich von den Beueler Damenkomitees geleistet. Es ist sicherlich ein auch ein großer Verdienst von Erna Neubauer, dass die Komitees aus den Beueler Ortsteilen so toll zusammenarbeiten und dass das Miteinander ausgezeichnet funktioniert.

Wir bedanken uns bei Erna und hoffen noch auf viele fröhliche Karnevals-Sessionen mit ihr!

Ehren-Obermöhn Erna Neubauer ist 80 Jahre alt!

Artikel im General-Anzeiger am 30./31. Mai 2009

Erna feierte am Pfingstwochenende 2009 ihren 80. Geburtstag. Alle Beueler Jecken gratulieren ganz herzlich!

Auch die Presse berichtete über das Ereignis
(zum Lesen auf den Artikel klicken):

 

Eine Obermöhn "met Hätz un Humor" ....

... heute ist sie "Ehrenobermöhn"

Beueler Weiberfastnacht und Erna Neubauer. Zwei Namen, aber längst ein Begriff. 25 Jahre hat die umtriebige Obermöhn dem Karneval ihren Stempel aufgedrückt. Sie tat es mit viel Begeisterung und rheinischem Temperament. In dem Vierteljahrhundert ihres fröhlichen Schaffens hat Erna Neubauer die Beueler Weiberfastnacht zu dem gemacht, was sie heute ist, nämlich ein Markenartikel von höchster Güte. Und als Präsidentin des "Alten Beueler Damenkomitees" hat sie von der 185jährigen Wegestrecke eine Etappe zurückgelegt, die in einer veränderten Zeit neue Akzente gesetzt hat, ohne die Ursprünglichkeit des Brauchtums anzutasten.

Stets war ihr Handeln von der Devise bestimmt: "Met Hätz un Humor". Das dürfte auch die Zauberformel ihres Erfolges, ihrer Popularität und ihrer ausgeprägten rheinischen Mentalität gewesen sein. Ihre karnevalistische Heimat fand Erna Neubauer wie gesagt im Alten Beueler Damenkomitee. Auch nicht im entferntesten hat sie damals daran gedacht, einmal als Präsidentin an die Spitze zu kommen. Es kam anders als gedacht. Sie mußte von einem auf den anderen Tag in die Bresche springen, weil Vorgängerin Maria Balzer aus Krankheitsgründen ausfiel. Das war für Erna Neubauer der Sprung ins eiskalte Wasser. Schon nach kurzer Zeit stellte sie unter Beweis, daß der Beueler Karneval mit ihr eine gute Wahl getroffen hatte. Schnell identifizierte sie sich mit ihrer neuen Aufgabe und der Rolle als Repräsentantin der Beueler Weiberfastnacht. Gesundes Selbstbewußtsein, weibliche Diplomatie, Weitblick und Durchsetzungsvermögen verhalfen ihr schnell auf dem karnevalistischen Parkett zu einer Führungsrolle. Allerdings nicht mit der "Hoppla-jetzt-komm-ich-Methode", sondern eher mit Bedacht, Bescheidenheit und Optimismus.

Als Mutter von fünf Kindern stand sie mit beiden Beinen in der Welt und wußte um die Belastung, die ein solches Amt mit sich bringt. Ehemann Franz förderte nach Kräften seine bessere Hälfte, motivierte sie, half tatkräftig in Organisationsfragen und sprach seiner lieben Erna dann Mut zu, wenn mal alles nicht so klappte wie die Obermöhn sich das vorgestellt hatte. Die ideale und vorbildliche Arbeitsteilung beinhaltete natürlich auch, daß der Franz dann Hausfrauenpflichten zu übernehmen hatte, wenn Erna "op Jück wor".

In die "Regierungszeit" von Erna Neubauer fielen Neuerungen und zeitangepaßte Veränderungen. So wußte sie mit ihren Mitstreiterinnen und Hilfe der Kommunalpolitiker zu verhindern, daß Beuel nach der Eingemeindung von den Bonner Karnevalsstrategen untergebuttert wurde. Auf der Schäl Sick entwickelte man in dieser Zeit einen höchsteigenen Stil. So wertete man den eigentlichen Höhepunkt der Session, den Rathaussturm, auf und gab ihm neues Konzept und glanzvolleren Rahmen. In verstärktem Maße gaben sich auch die Medien ein Stelldichein an der Wiege der Weiberfastnacht. Beuel war an diesem Tag einfach der Nabel der Welt. Und niemand von der Bonner Prominenz konnte es sich leisten, im Beueler Rathaus nicht dabei zu sein, wenn Obermöhn und Wäscherprinzessin nach erfolgreichem Sturm die Schlüsselgewalt übernahmen.

Erna Neubauer war es auch, die sich jeweils bereits am Aschermittwoch erste Gedanken darüber machte, mit welchen Ideen man in der nächsten Session zum Sturm auf das Rathaus ansetzen könnte (Man denke nur an den spektakulären Ritt der Obermöhn auf einem Elefanten).

Im "Arbeitskreis Beueler Weiberfastnacht" fand die Obermöhn ein Instrumentarium, das sie tatkräftig unterstützte und auch in kritischen Situationen für Rückenwind sorgte. Auch in der Schaffung dieses Gremiums sieht Erna Neubauer einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

In die Ära der verdienstvollen Obermöhn fällt auch der Erfolg, den Karneval in höchsten Regierungskreisen hoffähig gemacht zu haben. Ob Kanzleramt oder Villa Hammerschmidt, ein Karnevalsempfang ohne die Beueler Wäscherprinzessin war einfach nicht mehr denkbar. Und die beherzte Obermöhn scheute sich auch nicht, den hochkarätigen Politikern augenzwinkernd und mit der Jeckenbrille "für ein paar Mark Bescheid zu sagen". Die Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl machten da keine Ausnahme.

Unbedingte Erwähnung verdient aber auch die soziale und mitmenschliche Komponente, der sich Erna Neubauer besonders widmete. Weil nun mal Freud' und Leid häufig Gefährten sind, bemühte sie sich in besonderer Weise um Menschen, die des Zuspruchs und der Ermunterung bedurften. Zusammen mit der Wäscherprinzessin besuchte sie Krankenhäuser und Seniorenheime, kümmerte sich um Menschen in besonderen Notlagen oder nahm Anteil am Schicksal Behinderter. Gerade in dieser Richtung hat die Obermöhn unmißverständliche Zeichen gesetzt. Erna Neubauer muß man aber auch als Mittlerin und Integrationsfigur würdigen. Ist es doch keine leichte Aufgabe gewesen, 15 eigenständige Damenkomitees der rechten Rheinseite unter einen Hut zu bringen und auf eine gemeinsame Linie einzuschwören. Die Obermöhn bewältigte auch diese Aufgabe mit Einfühlungsvermögen, Verständnis und vor allen Dingen mit rheinischer Gelassenheit.

Nicht zuletzt dadurch ist sie in Beuel zu einer Institution geworden. Politiker haben es nicht immer verstanden, mit dem rechtzeitigen Rücktritt umzugehen und einen Nachfolger aufzubauen. Darin unterscheiden sie sich gravierend von Obermöhn Erna Neubauer. Sie hat es geschafft, schon früh "an die Zeit danach" zu denken und hat mit Evi Zwiebler eine Nachfolgerin aufgebaut, die jetzt ein wohlbestelltes Feld übernehmen durfte. Exakt nach 25 Jahren hat die scheidende Obermöhn ihre Nachfolgerin als Wäscherprinzessin Evi I. durch die Session begleitet. Wenn das kein gutes Omen ist! Die Frage nach einem Erfolgsrezept für ihr erfolgreiches 25jähriges Wirken in der Karnevalsszene beantwortet sie mit einem etwas ungläubigen Achselzucken. Was nicht nur für ihre Bescheidenheit, sondern vor allen Dingen für ihr Selbstverständnis spricht, eine übernommene Aufgabe nach besten Kräften zu meistern. Was in dem Satz gipfeln soll: Erna Neubauer hat sich um Karneval und Brauchtum verdient gemacht.

Georg Dreher

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