Wie die Wäscherprinzessin an Ihr Zepter gekommen ist

„Der Wäscherprinzessin fehlt einfach etwas.“ Das sagten sich zwei karnevalsbegeisterte Lokal-Journalisten bei der Vorstellung der neuen Lieblichkeit anno 1968. Dabei schauten sie gezielt auf die Hände der neuen Regentin und erkannten deren Problem, mit diesen fertig zu werden. Nervosität und Anspannung ließen sich nicht verbergen. Wohin bloß mit den Händen?

Das schien für das aufgeregte Persönchen die unausgesprochene Frage zu sein. Die beiden Reporter von der närrischen Front wussten da Rat und entwickelten spontan eine Idee. Rolf Tanski, damals als Lokalredakteur bei der „Bonner Rundschau“ zuständig für Beuel, und sein Mitarbeiter Hartmut Palmer – heute Redakteur beim „Spiegel“ – sahen in einem Zepter die Lösung für eine „Ruhigstellung“ von Lieblichkeits Händen.

Geprägt von Beueler Lokalpatriotismus sollte einen solchen Herrscherstab nach Meinung der „Erfinder“ das Bröckemännchen zieren. Da aber die Proklamation von Francoise I. (Karnevals-Import aus der Partnerstadt Mirecourt) unmittelbar bevor stand, war höchste Eile geboten. Unter erheblichem Zeitdruck stehend, erinnerte sich Rundschau-Redakteur Tanski an Jupp Pützer aus der Drechslerdynastie im Rosenthal.

Beim legendären Schultheiß des Vaterstädtischen Vereins fand er offene Ohren und tatkräftige Hilfe. Der rheinische Drechslermeister opferte sogar die Nachtstunden und lieferte pünktlich zur Proklamation das Prachtstück eines originellen Zepters ab. Den Kopf des Herrscherstabes zierte ein verschmitzt grienendes Bröckemännchen, das Kopf und Hinterteil neckisch hinter Bändern in den Beueler Stadtfarben verbergen konnte.

Unerwartete Schwierigkeiten tauchten auf, als es um die Finanzierung des karnevalistischen Schnellschusses ging. Meister Pützer drückte beide Augen zu und erklärte sich mit einem Freundschaftspreis von 100 D-Mark einverstanden. Ideengeber Tanski ging etwas leichtfertig davon aus, dass sein Arbeitgeber die neue Errungenschaft sponsern würde. Aus Zeitgründen hatte er es nämlich versäumt, die Chefetage zu konsultieren. So blieb letztlich die Überweisung des Künstler-Honorars an den beiden Zepterbeschaffern hängen.

Bürgermeister Hans Steger, der von den Finanzierungsproblemen der beiden Lokaljournalisten hörte, zückte bei der Proklamation spontan die Brieftasche und übernahm, garniert mit einem für ihn typischen Kommentar, die Hälfte der Gestehungskosten.

Mittlerweile gibt es auch eine Kopie des längst nicht mehr wegzudenkenden Herrscherstabes über die Beueler Weiberfastnacht. Präsentiert wird er von einer Wäscherprinzessin, die in Lebensgröße und in vollem Ornat im sehenswerten Beueler Heimatmuseum zu bewundern ist.

Georg Dreher
(aus dem Sessionsheft 2007)

Das Zepter der Wäscherprinzessin

Als im Jahre 1958 zum ersten Male eine Wäscherprinzessin in Beuel gekürt wurde, hatte sie noch kein Zepter. Erst einige Jahre später kam die Idee für ein eigenständiges Zepter auf und die damalige Obermöhn Maria Balzer und ihre Komiteedamen erinnerten sich an das Bröckemännchen, das anlässlich der 125-Jahr-Feier der Beueler Weiberfastnacht durch die Beueler Straßen gezogen wurde. 

Ein Bonner Handwerker drechselte den lustigen Kobold aus Holz und fertigte das Zepter. Die Beueler wollten damit zum Ausdruck bringen, dass sie sich nicht über das von den Bonnern angebrachte Bröckemännchen ärgerten. Sie lachten eher über den lustigen Kerl und betrachteten es als Wahrzeichen für Beuel. Für manchen Bonner ist das Bröckemännchen eine Spottfigur, für die Beueler jedoch ein Symbol des Widerstandes; und damit passt es ausgezeichnet zur Beueler Weiberfastnacht!

Auch hier haben die Frauen erstmals Widerstand geleistet und sich gegen die Bevormundung der Männer aufgelehnt. Von wegen, dachten sich die Wiever damals, die einen (die Männer) feiern Karneval in Köln und die anderen (die Frauen) stehen an der Waschbütt und hüten die Kinder.

Nach wie vor zeigen die Frauen auch heute noch an Wieverfastelovend den Männern – allerdings auf liebevolle Art und Weise – wo es lang geht.

Das Zepter der Beueler Wäscherprinzessin mit dem Bröckemännchen ist einmalig im Karneval und auch nicht vergleichbar mit anderen karnevalistischen Insignien der Macht.

Quelle:
Beueler Weiberfastnacht
Chronik eines alten Volksfestes
Schmitz-Reinhard