Das Bröckemännche - Symbol der Beueler Weiberfastnacht

Wahrzeichen eines alten Streits über die Brückenbaufinanzierung –
Symbol des Widerstandes im Zepter der Beueler Wäscherprinzessin

„Et Bröckemännche“ – erinnert an einen Konflikt der Bonner mit der „Schääl Sick“. Dieser kleine Kobold zeugt von der langen Tradition der Menschen diesseits und jenseits der beiden Rheinufer, sich gegenseitig zu foppen und feindselig gegenüber zu treten:

Im Jahre 1898 wurde nach dreijähriger Bauzeit die erste Bonner Rheinbrücke eingeweiht. Damals bauten die Bonner diese Brücke über den Rhein, um nicht länger auf die Fähre angewiesen zu sein, wenn sie auf die „Schääl Sick“, also nach Beuel kommen wollten.

Die Beueler planten, dass die Brücke auf der rechten Rheinseite weiter südlich anlegen sollte. So sollte sie mit ihrer bedeutsamsten Straße, der alten Wilhelmstraße (heute Siegfried-Leopold-Straße), verbunden werden; die Wilhelmstraße war gerade erst mit viel Mühe ausgebaut worden. Aber die Bonner bauten die Brücke anders, als es sich die Beueler vorgestellt hatten.

Das führte dazu, dass man in Beuel, dem Städtchen der Wäscherinnen, Schiffer und Fischer sehr verärgert war und an der fertig gestellten Verbindung kein besonderes Interesse zeigte. An den Baukosten in Höhe von damals 4 Millionen Mark wollte sich die Gemeinde Beuel erst recht nicht beteiligen. Also musste die Stadt Bonn die Kosten für den Brückenbau alleine tragen, jedoch nicht ohne Rache auf rheinische Art zu nehmen.

Die Stadt Bonn quittierte das Verhalten der Beueler mit der Figur des Bröckemännchens. Der aus Stein gehauene Brückenkobold war am Strompfeileraufbau der rechtsrheinischen Beueler Seite angebracht und streckte den von Beuel Kommenden das Hinterteil entgegen.

Die Beueler nahmen dieses Zeichen der Verachtung der Bonner mit Gelassenheit hin und sangen dazu folgendes Lied:

Wenn och dat Bröckemännche dat Föttche no Beuel jestipp,
wenn och dofür dat Männche von uns 2 Penning jekritt,
mir blieben trotzdem wat mir och sen,
uns kümmert dat Bröckemännche net,
vor allem sen mir stolz dodrupp, dat mir von der Schääl Sick sen.

Die alte Rheinbrücke wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Als man die Brückentrümmer im Sommer 1945 im Strombett sprengte, um eine Fahrrinne freizulegen, fiel auch das Bröckemännchen von seinem luftigen Sitz herunter. Der Gastwirt „Zum kleinen Museum“ – Philipp Otto aus Beuel – nahm es an sich und vergrub das „angeschlagene“ Bröckemännchen heimlich im Garten seines Hauses, da er befürchtete, Andenkensammler würden es entführen.

Als Beuel im Jahr 1949 das 125-jährige Jubiläum der Weiberfastnacht feierte, gab Philipp Otto sein Geheimnis preis und holte das Bröckemännchen aus dem Versteck hervor. Zur Weiberfastnacht wurde der lustige kleine Kerl auf einem geschmückten Wagen durch die Straßen Beuels gefahren. Das „angeschlagene“ Bröckemännchen wurde der Stadt Bonn übergeben. Sie ließ es durch den Bonner Bildhauer Jacobus Linden restaurieren.

Der kleine Brückenkobold wurde am Bonner Strompfeiler unterhalb des Brückengeländers wieder montiert, sein Hinterteil nun aber nach Südosten, Richtung Frankfurt, ausgerichtet. Damit wollte man nun die Main-Metropole ärgern, die beim Kampf um die Bundeshauptstadtentscheidung Bonn knapp unterlegen war.


Quelle:
Beueler Weiberfastnacht
Chronik eines alten Volksfestes
Schmitz-Reinhard

Das Bröckemännche